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Portrait Julia Frischknecht, Tagungsorganisation
Verfasst von

Julia Frischknecht

3 Fragen an Walter B. Kielholz

Die Reputation der Schweizer Industrie hat gelitten. Nun scheint auch die Konzern-Verantwortungsinitiative bis weit in bürgerliche Kreise hinein viel Zuspruch zu finden. Haben solch wirtschaftsfeindliche Initiativen nicht auch damit zu tun, dass Führungskräfte die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern verloren haben und sich nicht mehr in der Politik engagieren?

Die Reputation der Industrie ist immer wieder ein Thema. Der Klimawandel hat die Diskussionen in der letzten Zeit wieder angeheizt, und das zeigt sich auch in der Konzernverantwortungsinitiative. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Themen ist sicher kritischer geworden, und auch wenn ich die Initiative ablehne, würde ich doch einräumen, dass die internationalen Lieferketten eine echte Herausforderung darstellen. Aus diesem Grund befürworte ich den Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament, der bei Ablehnung der Initiative in Kraft treten wird. Von einem generellen Reputationsverlust der Wirtschaft und einer Bürgerferne der Führungskräfte würde ich deswegen aber nicht reden. Damit bedient man Klischees und rückt unter Umständen – ohne dass man das will – in die Nähe populistischer Vorstellungen von einer abgehobenen Wirtschaftselite. Ich beobachte im Gegenteil eine hohe Sensibilisierung für gesellschaftliche Themen in den Firmen und bei den Führungskräften, ganz besonders bei den jüngeren Mitarbeitenden. Ein Problem scheint eher die die Reputation und die Rolle der politischen Parteien zu sein. Ein politisches Engagement innerhalb einer Partei ist für viele Leute nicht mehr attraktiv genug.

 

Sie waren viele Jahre in verantwortungsvollen Führungs-Positionen im Finanzsektor tätig. Was sind Ihre Führungsprinzipien? Haben sich diese im Laufe der Jahre gewandelt – inwiefern und warum?

Meine Führungsprinzipien sind eigentlich immer gleichgeblieben. Ich bin überzeugt, dass Führungskräfte für ihren Erfolg verantwortlich sind, und in diesem Sinn verstehe ich unter Führungsprinzipien auch Vorsätze zur Eigenmotivation. Ich will hier drei nennen:

Was immer man macht, soll man mit Enthusiasmus machen – dann ist es auch authentisch. Wer unzufrieden ist mit seinem Beruf, seiner Sparte oder auch Firma, wer sich nicht mit seinem Produkt oder seiner Dienstleistung identifizieren kann, bringt keine Topleistung und sollte die Stelle wechseln – oder ausgewechselt werden.

Engagement hat eine emotionale Seite. Natürlich sind Wissen und Erfahrung wichtig. Keine Frage. Aber was nützt all die Expertise, wenn jemand nicht auf Leute zugehen kann. Emotionale Intelligenz und kommunikative Kompetenz sind für Führungsaufgaben unerlässlich.

Eine Führungsposition ist eine temporäre Aufgabe, die man nutzen soll – und im Interesse des Unternehmens nutzen muss. Das heisst, dass man seine Sicht einbringen soll, ohne sie dem Konsens zu opfern.

 

Welches sind aus Ihrer Sicht die immer gleichen Herausforderungen für Führungskräfte, und welches sind spezifische Herausforderungen unserer Zeit?

In jeder Industrie gibt es inhärente Herausforderungen wie etwa die zyklische Entwicklung des Geschäfts, die Marktabhängigkeit, politische und regulatorische Abhängigkeiten und so weiter. Diese bleiben strukturell mehr oder weniger gleich. Dann gibt es aber auch Veränderungen, die mit der Zeit oder auch dem Zeitgeist zu tun haben, wie zum Beispiel die Zentralisierung und Dezentralisierung von Organisationen. Und dann gibt es auch Paradigmenwechsel wie die Veränderung von Arbeit und Kollaboration durch die digitale Transformation der Unternehmen und ihrer Kunden sowie Zulieferer. Aber alles in allem gilt doch, dass Führung in den Grundzügen gleichbleibt, wo es um Menschen und deren Verhalten geht.

Walter B. Kielholz, Referent Wifo 2021
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