„Das WIFO hat ein waches und interessiertes Publikum.“

Susanne Wille Fischlin moderiert nun schon zum achten Mal das Rheintaler Wirtschaftsforum – mehr als jede andere Moderatorin oder Moderator in den 23 Jahren der Veranstaltung. Dies allein beweist schon, wie beliebt sie in der Ostschweiz ist und die WIFO-Teilnehmenden haben sie ins Herz geschlossen. Ihre „Noten“, die sie jeweils in der Umfrage nach der Tagung erhält, erinnern schon fast an russische (Abstimmungs-) Ergebnisse: 93% der Teilnehmenden beurteilten 2016 ihre Moderation als „sehr gut“. Ihre Einführung ins jeweilige Thema, ihre Bilder und Geschichten, mit denen Susanne Wille Fischlin die Teilnehmenden einstimmt und die Interviews mit den Referenten zählen zum Besten, was es in der Schweizer „Moderationenwelt“ gibt.

Susanne Wille Fischlin moderiert nur wenige Tagungen in der Schweiz – darunter das WIFO. Darauf sind wir stolz und haben für einmal den Spiess umgekehrt und sie selber interviewt.


WIFO: Susanne Wille Fischlin, in einer Woche moderieren Sie am WEF und in zwei Wochen am Rheintaler Wirtschaftsforum (WIFO). Wie bereiten Sie sich jeweils auf solche Veranstaltungen vor?

Susanne Wille Fischlin: Zuerst freue ich mich einfach auf das WEF und auf das WIFO. Denn mit Vorfreude gelingt jede Vorbereitung viel besser. Ich lese mich mit Artikeln und Büchern in die Themen ein, recherchiere, suche Ideen für die Moderationen und telefoniere mit den Referenten. Das persönliche Gespräch ist entscheidend. Das lässt sich durch nichts ersetzen.


Welches Interview, welcher Gast oder welche erlebte (TV-) Geschichte bleibt Ihnen ewig in Erinnerung?

Da gibt es viele. Mein Interview mit Marine Le Pen nach dem Brexit letztes Jahr bleibt mir bestimmt. Ich kämpfte um einen Termin, schrieb ihren Stab wiederholt an. Plötzlich sollte ich innert kürzester Zeit in Brüssel sein und bekam ganze zehn Interview-Minuten. Ein 1:1-Interview auf Französisch mit einer Politikerin, die im grossen Wahljahr für Europa von entscheidender Bedeutung sein wird. Das war anspruchsvoll und hochspannend. Nicht nur wegen des Interviews, sondern auch wegen der Diskussion bevor die Kamera lief, und nachdem die Kamera wieder ausgeschaltet war. Das ist erlebte Geschichte für mich.


Fragetechniken sind das Handwerkszeug für Moderatoren – und für Manager und Unternehmer, die in Gruppenprozessen und Workshops Gespräche zielführend und strukturierend gestalten müssen. Was können Sie aus Ihrer reichen Moderations-Erfahrung unseren Teilnehmenden für praxisnahe (Moderations-) Tipps geben?

Ich masse mir nicht an, Tipps zu geben. Wichtig ist für mich persönlich die innere Einstellung. Jedes Interview ist neues Terrain mit vielen Unbekannten. Wie reagiert der Interviewpartner? Welche Dynamik nimmt das Gespräch an? Wieviel Kritik ist angebracht? Wieviel Persönliches opportun? Darum ist für mich nebst der inhaltlichen Vorbereitung und der „Roadmap“ mit Fragen, die ich in meinem Kopf gespeichert habe, vor allem das Zuhören wichtig. Das Zuhören ist wichtiger als an einem festen Fragenkatalog festzuhalten. Darum habe ich auch nie einen Zettel in der Hand. Das würde nur ablenken. Es passiert immer wieder, dass ich viele Fragen über Bord werfe und spontan andere einschleuse, weil sich das Gespräch anders entwickelt hat. Das ist ja das Faszinierende an Interviews und an Gesprächen.


Die Teilnehmer des WIFO haben Sie ins Herz geschlossen und das WIFO verdankt seinen guten Namen auch Ihrer langjährigen, professionellen Moderation. Wie erleben Sie das WIFO im Vergleich zu anderen Tagungen?

Danke, dass Sie das sagen. Das freut mich. Meine Aufgaben bei der Rundschau, 10vor10 und der strategischen Entwicklung der News-Sendungen für den geplanten Newsroom absorbieren mich, sodass ich nur ganz wenige Tagungen mache. Warum ist mir das WIFO wichtig? Ich bin gerne bei den Menschen. Denn die Schweiz ist nicht im Studio in Zürich oder in Bern, sondern überall. Am WIFO beobachte ich immer, wie wach und interessiert das Publikum ist. Das ist mir zum Beispiel im letzten Jahr während des Interviews mit Joseph Ackermann aufgefallen.


Welche Frage haben wir nicht gestellt, die eine professionelle Interviewerin erwartet hätte und was hätten Sie darauf geantwortet?

Ich bin in meinem Alltagsgeschäft ja im kritischen Politjournalismus zu Hause. Daher erwarte ich - déformation professionelle - immer, dass ich selber auch in die Zange genommen werde. Ich bin aber ehrlich gesagt froh, wenn dies dann nicht eintrifft. Darum lass ich es jetzt noch so gerne bei diesen Fragen und dem konstruktiven Ansatz
bewenden.(-;


Frau Wille, vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns auf Ihren Auftritt am 27. Januar.



Susanne Wille Fischlin – eine Vollblut Polit-Journalistin

Die Moderatorin und Reporterin des Schweizer Fernsehens studierte Journalistik, Geschichte und Anglistik an den Universitäten Fribourg, Zürich und Edinburgh. Nach Abschluss des Studiums arbeitete sie vorerst als Videojournalistin beim Regional-TV-Sender Tele M1, bevor sie 2001 zum Schweizer Fernsehen wechselte, vorerst als Moderatorin bei 10vor10, danach als Bundeshaus-Korrespondentin und seit Sommer 2013 als Reporterin und Moderatorin bei der Rundschau. Ab 2017 wird sie neben der Rundschau auch wieder als 10vor10-Moderatorin zu sehen sein. Ihre Reportagen aus Russland, Iran, Türkei, Brasilien etc. wurden stark beachtet. Für ihre 12stündige Live Moderation zu den National-und Ständeratswahlen und wegen der Moderation zu den Bundesratswahlen hat sie auch Medienpreise bekommen: den Medienstar Award des Pressevereins Zürich und vom Magazin Schweizer Journalist wurde sie zur „Politik-Journalistin des Jahres“ gewählt. Zuvor – 2005 – erhielt Susanne Wille Fischlin, die mit Franz Fischlin, Moderator der Tagesschau, verheiratet ist und drei Kinder hat, den Bedag-Medienpreis für ihren Spezial „Alles unter Kontrolle“.