WIFO-Referent will in Top-Liga der internationalen Finanzmärkte mitspielen


Urs Haeusler ist CEO und Gründer von DealMarket AG und hat mit dieser Unternehmung eine globale Plattform für Fundraising und Deal Flow Management für professionelles Wagniskapital und Privat Equity Investoren geschaffen. Haeusler hat auch Swiss Finance Startups und die Swiss Startup Association, den Verband aller Schweizer Startups, gegründet. Er kennt sich mit Firmen-Gründungen aus, vor allem im Finanzbereich, und will diesen Firmen auch im Ausland eine Stimme geben. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Internet-Geschäft weiss Haeusler, wie man Internet-Firmen gründet und erfolgreich betreibt. So verwundert es nicht, wenn Urs Haeusler auch die Fintech-Deregulierungs-Bestrebungen für Finanz-Startups eng begleitet hat. Am Mittwoch, 2. November, war es soweit: der Bundesrat hat die Regeln für innovative Geschäftsmodelle im Internet gelockert. Diese Lockerungen haben die Kraft, die Startup-Welt zu verändern. Ein Erfolg auch für unseren Wifo-Referenten, den wir zu den neuen Regelungen und deren Auswirkungen für die neue Unternehmens- und Arbeitswelt befragt haben.

Herr Haeusler, wie glücklich sind Sie und Ihr Verband über die neuen Regelungen?

Zunächst begrüssen wir sehr, dass sich die Schweiz hiermit offiziell und deutlich zu Fintech bekennt. Wir, beziehungsweise die Fintech-Branche, haben uns damit endlich einen entsprechenden Status am Finanzplatz erkämpft. Dies hat Signalwirkung innerhalb der Schweiz und etabliert Fintech als wertvolle Säule auf dem Finanzmarkt. Gleichzeitig ist dies auch ein wichtiges Signal ans Ausland, die Schweiz zeigt damit deutlich, dass sie weiterhin in der Topliga der internationalen Finanzplätze mitspielen will, auch im Zeitalter der Digitalisierung.


Konnte sich Ihre Vereinigung Swiss Finance Startups bei der Erarbeitung einbringen? Wenn ja, inwiefern?

Wir haben in den letzten zwei Jahren verstärkt Kontakte in Bern geknüpft und konnten den Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann für unseren Fintech & Digitization Day im Mai gewinnen. Dort haben wir Gründer am runden Tisch konkrete Forderungen vorgelegt und diese anschliessend auch in Bern eingereicht. Im Anschluss wurden wir nicht müde, uns weiter mit politischen Vertretern zu treffen. So sass ich auch mit Bundesrat Ueli Maurer gemeinsam am runden Tisch. EFD und SECO haben eine Fintech-AG ins Leben gerufen und die Branchenverbände zur Stellungnahme bezüglich bestehender Markteintrittshürden gebeten. Zusätzlich stehen wir in häufigem Austausch mit der FINMA und versuchen weiterhin Politik, Regulator und Wirtschaft zusammenzubringen, da wir glauben, dass es wichtig ist, dass alle Parteien voneinander lernen können. Gerade in einer Zeit, in der sich der Markt rasant entwickelt, ist es wichtig, dass die Politik nah am Markt agiert.


Die NZZ schreibt, dass die Regelung auch kontraproduktiv sein könnte, wenn Finanz-Startups mit dem staatlichen Prüfsiegel der FINMA operieren dürfen und sich dann Privatanleger womöglich in falscher Sicherheit wiegen. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Ich denke, wir dürfen hierbei nicht den Sandkasten - also den bewilligungsfreien Raum - und die Fintech-Lizenz vermischen. Der sogenannten Sandkasten ist für die Testphase ganz neuer Geschäftsmodelle. Wenn wir neue Modelle nicht ausprobieren dürfen, ersticken wir Innovation im Keim. Dieser Rahmen ist aber sehr eng gesteckt, sobald also ein Businessmodell wächst und eine Schwelle erreicht, kommt die FINMA zum Zuge.

Fintech-Unternehmen sind in der Regel nicht mit Banken vergleichbar und funktionieren auch nicht wie eine Bank. Die Banklizenz und das Bankengesetz sind in einer Zeit entstanden als der Markt noch ganz anders aussah. Heute haben wir neben grossen Bankhäusern auch viele kleine und spezialisierte Marktteilnehmer. Für diese Marktteilnehmer gab es keine Regelung, die Hürde zur Banklizenz war viel zu hoch und darunter agierten sie teilweise im Graubereich. Mit der neuen Regulierung trägt die FINMA den neuen technologischen Entwicklungen und den neuen Geschäftsmodellen und Produkten Rechnung, indem diese risikogerecht reguliert werden können. Das heisst, dass die FINMA eben keine herkömmliche Bankenlizenz verlangt, wenn diese vom Risikoprofil zum Schutz der Anleger nicht nötig ist, sondern einen angepassten risikogerechten Regulierungsansatz wählt, um einerseits Innovation zu ermöglichen und andererseits die Anleger genügend zu schützen.

Auch für Kunden ist eine klare Regelung daher von Vorteil.


Was muss aus Ihrer Sicht gemacht werden, damit in der Schweiz Startups gefördert werden können?

Die Schweiz hat bereits beste Voraussetzungen zum Fintech Startup Hub. Wir sind ein stabiles Land, hochtechnologisiert, mit sehr gut ausgebildeten Leuten und einer starken Wirtschaft. Der richtige regulatorische Rahmen ist wichtig, damit sich dieses Potential auch entfalten kann. Daneben müssen wir Bürokratie abbauen und - ganz wichtig - uns im In- und Ausland als Startup Hub positionieren. Marketing ist wichtig, auch für ein Land. Die wichtigen nächsten Themen sind für uns; 1) Zugang zum EU Markt (sogenanntes Passporting), Zugang zu internationalem Talent-Pool (z.B. Startup Visum für nicht EU Arbeitnehmer), verbesserter Zugang zu Wagniskapital (v.a. für Wachstumsfinanzierungen von über CHF 5 Mio.).

Wir Schweizer sind per se vielleicht eher zurückhaltend und meinen, dass unsere Qualitäten für sich sprechen, aber wir sollten nicht vergessen, dass wir im globalen Wettbewerb stehen. Startups funktionieren nicht ohne Investoren, und auch in der Schweiz brauchen wir internationale Investoren. Ich finde, die Schweiz dürfte sich insgesamt deutlich lauter zum Innovationsstandort erklären.


Herr Haeusler, wir danken Ihnen für das Interview und freuen uns, Sie am 27. Januar 2017 am Rheintaler Wirtschaftsforum begrüssen zu dürfen!