„Nach meinem Helikopter-Absturz schnell wieder in ein Flugzeug steigen!“ – André Borschberg im Interview

Interview mit André Borschberg, Solar Impulse Mit-Gründer und Pilot

Es heisst, Solar Impuls habe das Potenzial und die Kraft, die Welt zu verändern. und „Kraft der Veränderung“ ist das Thema des Rheintaler Wirtschaftsforums 2017. André Borschberg, Gründer und Pilot von SI-2, wird am Rheintaler Wirtschaftsforum attraktive Bilder von der Weltumrundung zeigen und dazu berichten, wie dieses Projekt entstanden und erfolgreich umgesetzt wurde – und was wir davon lernen können. Wir haben Borschberg zum Interview getroffen. Im Gespräch erklärt er, wie SI-2 die Fliegerei revolutionieren und Satelliten ersetzen kann und wie er einen Helikopter-Absturz verarbeitete.

Herr Borschberg, haben Sie sich von Ihren Weltrekord-Flügen gut erholt?

Ja, eigentlich schon, aber wir haben auch nach Abschluss der Weltumrundung nie aufgehört mit dem Projekt. Wir haben nun eine sehr gute Basis, um das Projekt weiter zu entwickeln. Es gibt viele Chancen, die man nutzen muss.

Was werden die Kern-Inhalte Ihres Referates am 23. Rheintaler Wirtschaftsforum sein?

Was ich gerne erzählen und aufzeigen möchte, ist, wie man das Unmögliche möglich macht. Das ist nämlich keine Sache von Technologien, sondern eine Sache der geistigen Einstellung. Wie man diese Einstellung entwickelt und sie richtig umsetzt, darin steckt der Kern des Erfolges. Ich werde auch darüber berichten, welche Erfahrungen man in einem 13jährigen Projekt macht, als Leiter, als Pilot. Wenn man wie ich fünf Tage und fünf Nächte in der Luft bleiben will, muss man auch spezielle Eigenschaften entwickeln, die auch Unternehmer brauchen können, um erfolgreich zu sein. Darüber will ich auch berichten. Natürlich werde ich auch über die Zukunft sprechen und was für Technologien wichtig sein werden.

Haben Sie bei Solar Impulse auch mit Ostschweizer Firmen zusammengearbeitet?

Solar Impulse ist ein Schweizer Projekt, das mehrheitlich von Schweizer Firmen getragen wird und zu Beginn ganz stark in Winterthur und in Dübendorf entwickelt wurde. Das Projekt SI-2 zeigt auch, was man mit einem industriellen Netzwerk im Innovationsbereich machen kann. Zu diesem Netzwerk gehören auch St. Galler und Ostschweizer Firmen - zum Beispiel die Peko AG in Rheineck, die Firma Kalag in Bütschwil oder die Firma Lumitec in Gais. Dieses Netzwerk ist im Ausland ein gutes Schaufenster für die Kompetenz von Schweizer Unternehmen. So war z.B. bei unserer Landung im Silicon Valley, Kalifornien, auch einer der Gründer von Google dabei.


Glauben Sie, dass SI-2 die Fliegerei tatsächlich verändern kann?

Teilweise schon, aber SI-2 ist ein elektrisches Flugzeug, dessen einzige Energiequelle die Sonne ist. Dieser elektrische Antrieb wird sich durchsetzen – er ist leise, effizient. Das eröffnet phantastische Möglichkeiten, an denen auch die NASA und Airbus arbeiten. Dieser Solar-Antrieb wird sich vorerst bei kleineren Flugzeugen bewähren und vielleicht später auch bei grösseren.

Kritiker meinen aber, SI-2 zeige auch die Grenzen der Fotovoltaik auf. Denn je grösser ein Flugzeug sei, desto schwerer werde es und mehr Leistung und Motoren brauche es, die wiederum das Flugzeug schwerer machen. Was sagen Sie diesen Kritikern?

Diese Kritiker, wären sie beim ersten Flug der Gebrüder Wright dabei gewesen, hätten damals wohl gesagt: Für ein Flugzeug, das nur ein paar Kilometer fliegen kann und nur einen Pilot an Bord hat, dafür gibt es doch keine Zukunft! Solar-Flugzeuge sind die einzigen Flugzeuge, die ewig fliegen können! Wir entwickeln derzeit ein unbemanntes Solar-Flugzeug, das sechs Monate in der Stratosphäre bleiben und Satelliten nachhaltig ersetzen kann.

Sie waren fünf Tage und fünf Nächte in der Luft bei Ihrem Weltrekord-Versuch. Kommt man da nicht an eine Leistungsgrenze? Wie haben Sie das geschafft?

Das ist eine Frage der Einstellung. Über diese Einstellung werde ich am Forum auch sprechen. Wenn Sie an ein Projekt herangehen und sich vorstellen, dass es schwierig ist und lange dauern wird, dann ist das problematisch. Wenn Sie aber mit der Einstellung herangehen, dass es phantastisch wird und Sie sich dabei noch besser entdecken und entwickeln können, dann schaffen Sie vieles, sehen Sie vieles anders, sehen Sie statt der Probleme die Möglichkeiten.. Ich musste nach fünf Tagen im Flugzeug noch acht Stunden über Hawaii kreisen – das war phantastisch! Für solche Leistungen muss man das richtige Energie-Niveau entwickeln. Dazu gibt es verschiedene Wege und Methoden und darüber werde ich auch sprechen.

Sie haben ja selbst einen Helikopter-Absturz überlebt. Wie verarbeitet man so einen Unfall, wenn man wieder in ein Flugzeug steigen will?

(Stille). Es ist wichtig, dass Sie relativ schnell wieder in ein Flugzeug einsteigen. Das ist auch eine sehr persönliche Angelegenheit. Ich war sehr dankbar, dass ich nicht verletzt war. Man muss lernen, was passiert ist, dann kann man so etwas überwinden. Dabei muss man die Emotionen heraus nehmen. Wir sind zwei Tage nach dem Unfall zusammen gekommen und ich konnte ohne Emotionen erklären, warum das passiert war. Ich war auch einmal in einer Lawine und musste auch dies verarbeiten. Wichtig ist, Emotionen rauszunehmen.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch und weiterhin viel Erfolg.