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Verfasst von

Alexandra Frei

5 Fragen an Wifo-Referent Matthias Sutter

 

Sie haben ursprünglich ein Theologiestudium absolviert. Was hat Sie dazu bewogen, anschliessend Volkswirtschaft zu studieren?

Ich wollte an der theologischen Fakultät im Bereich «Gesellschaftslehre und Sozialethik» promovieren. Der für dieses Fach zuständige Professor, Herwig Büchele, meinte aber, dass ich dazu etwas von Wirtschaft verstehen müsste. Also habe ich mit 24 Jahren begonnen, Volkswirtschaftslehre zu studieren. Das hat mir so gut gefallen, dass ich dabei geblieben bin. Ich habe 14 Jahre später dann Herwig Büchele zu meiner Antrittsvorlesung als Professor für Experimentelle Wirtschaftsforschung eingeladen und ihm erzählt, welche Bedeutung seine Aussage für mich hatte.

 

Was können Volkswirtschafter und Theologen voneinander lernen?

In dieser Allgemeinheit kann ich die Frage kaum beantworten. Für mich selbst war es so, dass mir insbesondere die philosophische Ausbildung im Theologiestudium geholfen hat, Dinge klar und logisch durchdenken zu können. Diese Fähigkeit hilft auch einem Volkswirt. Außerdem hat mich das positive Menschenbild, das in der Theologie vermittelt wird, geprägt. Die Theologie wiederum kann von der Volkswirtschaftslehre viel über das Verständnis von Wirtschaftsprozessen lernen, die für die Gestaltung unserer Gesellschaft sehr wichtig sind.

 

Als Vorarlberger sind Sie hautnah am Rheintal. Was trennt die Schweizer und Österreicher Seite – und was eint sie?

Schon als Kind fand ich es schön, dass wir Vorarlberger die Schweizer über dem Rhein durch den sehr ähnlichen Dialekt gut verstehen. Das unterscheidet die Vorarlberger vom Rest Österreichs, sodass diese sprachliche Gemeinsamkeit mit der Schweiz aus meiner Sicht auch zur Vorarlberger Identität beiträgt. Neben der Sprache ist es die herrliche Natur, die uns verbindet, und eine gewisse Mentalität der Sparsamkeit. Trennendes würde ich nicht extra hervorheben wollen, weil es mir wichtiger ist, das Gemeinsame zu sehen.

 

Wie lässt sich Egoismus moralisch einordnen? Ist er verwerflich oder hat er auch gute Seiten?

Die Antwort auf diese Frage hängt natürlich vom Verständnis ab, das jemand von Egoismus hat. Ein klassischer Volkswirt wird sagen, dass das Streben nach Gewinn auch gute Seiten hat, weil es zu Effizienz beitragen kann. Selbstverständlich wissen wir, dass ein solches Streben auch seine Schattenseiten hat. Man denke nur an Umweltverschmutzung oder Ausbeutung von Arbeitskraft.

 

Was fördert und erhält unseren Wohlstand. Gibt es eine «Hitparade» von entscheidenden Kriterien?

Ich würde sagen, dass da zuerst Bildung und Innovation zu nennen sind. Daneben braucht es aber stabile Rahmenbedingungen (vor allem politischer Natur). Neueste Forschungen zeigen, dass auch persönliche Eigenschaften wie Ausdauer beim Verfolgen langfristiger Ziele, aber auch Vertrauen eine sehr wichtige Rolle spielen.

 

Vielen Dank für das Interview Herr Sutter. Wir freuen uns auf Ihr Referat am 24. Rheintaler Wirtschaftsforum
vom Freitag, 19. Januar 2018.

Rheintaler Wirtschaftsforum 2018 Referent Matthias Sutter
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